Tanja Becker-Bender

Geboren in:

Stuttgart

Jetziger Lebensmittelpunkt:

Hamburg

Instrument:

Violine

Zweit-, Dritt- oder gar Viertinstrument:

Klavier – aber Brahms 2. Klavierkonzert leider erst im nächsten Leben

Mein Berufswunsch als Kind:

Musikerin oder Physikerin (wegen der spannenden Experimente an der Uni bei meinem Vater…). Zwischenzeitlich auch Gärtnerin.

Diesen Beruf haben sich meine Eltern für mich vorgestellt:

Meine Eltern haben mir da zum Glück Freiheit gelassen und mich unterstützt auf meinem Weg, so wie ich ihn gegangen bin.

Werke oder Konzerterlebnisse, die mich prägte/n:

kindliches Urerlebnis: ausgerechnet Brahms 2. Klavierkonzert mit Backhaus (noch vor dem Violinkonzert). Ich konnte davon nicht genug bekommen – es war wie eine Landschaft mit einer unbeschreiblichen Stimmung, in die man sich begab und in der man bleiben, sie bewohnen wollte oder sogar musste… Bach Kantaten, Arien mit Violinsoli – die Kombination von Stimme und Geige in dieser Musik aller Musik… Schubert Quartette und Quintett mit dem Melos Quartett, die Lieder mit Fischer-Dieskau. Später das Alban-Berg-Quartett, jedes einzelne Konzert während meiner Studienzeit in Wien… Radu Lupu, der aus Klavierkonzerten mit hypnotischer Verbindung große Kammermusik machte… Márta und György Kurtág zusammen am Klavier… Vor Kurzem: Ligeti Grand Macabre konzertant in Paris, phänomenal klar zum Leben gebracht von Francois-Xavier Roth.

Werk mit dem größten Musiziervergnügen (und warum?):

Dvorák Klavierquintett – das Leben umarmen…

Von dieser Komponistin / diesem Komponisten wünsche ich mir ein Werk für mein Instrument (und warum?):

Eine Solosonate von Ligeti auch für Violine – welche Welt hätte er, der immer neu einen ganzen Kosmos erfand, auch auf unseren hohen vier Saiten entstehen lassen?

Dafür würde ich mitten in der Nacht aufstehen:

Das nächste Reiseziel… und ich liebe den stillen Moment, bevor der Tag anbricht!

Besonderes / kurioses eigenes Konzerterlebnis:

Das falsche Violinkonzert (aber in der richtigen Tonart) von Rodolphe Kreutzer vom Orchester zugesandt bekommen zu haben und dies erst gemeinsam bei der einzigen Probe festzustellen… Auf Wunsch des Dirigenten dann Bartóks Solosonate komplett vor dem ganzen Orchester auf der Bühne zu spielen – ein seltsames Gefühl von Gemeinschaft dabei und von „so muss es sein!“

Mein wertvollster Tipp für den Musikernachwuchs:

In der Ruhe liegt die Kraft. Die Versuchungen und auch der Druck, früh und rasch „abzuliefern“ und überall präsent zu sein, sind groß. In diesem Getöse dennoch auf die innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen, ist eine große Stärke.

Das wünsche ich mir für die Zukunft der Klassik-Szene:

Ein kollektives Bewusstsein für die essentiellen Kräfte guter Musik – Musik nicht als Dreingabe, sondern als gemeinsame Wurzel unseres Erlebens und unserer Erfahrungen.

Mein nächstes Projekt:

Viele verschiedene, auf die ich mich freue.

Das verbinde ich mit der Musikstadt Leipzig:

Freundschaftliche Erlebnisse und gemeinsames Musikmachen in der Thomaskirche noch zu Studienzeiten, die Deutschlandreise mit Bachs Doppelkonzert unter Kurt Masur mit letzter Station Gewandhaus – und generell: Musik leben, Freundlichkeit, Offenheit.

Biographie

Tanja Becker-Bender gewann höchste Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben in Genf, Tokio, Houston, Gorizia und Genua. Sie konzertiert als Solistin unter Dirigenten wie Kurt Masur, Gerd Albrecht, Lothar Zagrosek, Uriel Segal, Fabio Luisi, Hartmut Haenchen, Hubert Soudant und Ken-Ichiro Kobayashi mit Orchestern wie dem Tokyo Philharmonic Orchestra, Jerusalem Symphony Orchestra, Yomiuri Nippon Symphony Orchestra, Houston Symphony Orchestra, Orchestre de la Suisse Romande, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Konzerthausorchester Berlin und dem Wiener, dem Zürcher und dem Prager Kammerorchester sowie dem English Chamber Orchestra. Regelmäßig ist sie Gast bei internationalen Kammermusikfestivals. Tanja Becker-Bender studierte bei den führenden Quartettmusikern der Welt, bei Wilhelm Melcher (Melos Quartett) in Stuttgart, bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett) in Wien und bei Robert Mann (Juilliard String Quartet) in New York. Wichtige Impulse erhielt sie durch Eberhard Feltz und Ferenc Rados. Bereits 2006 erhielt sie einen Ruf als Professorin an die Hochschule für Musik Saar, seit 2009 ist sie in entsprechender Position an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg tätig.

Foto:

Uwe Arens