Gewandhaus zu Leipzig

“Ich habe einige meiner Ouvertüren mit mehr Ensemble und Genauigkeit gehört, als jemals sonst, und habe dabei das Vergnügen, daß sie selbst Abends jeden augenblicklichen Einfall und Wink des Tactstockes verstehn und ausführen.”

Felix Mendelssohn Bartholdy über das Gewandhausorchester

Seit wann existiert das Haus?

Am 25. November 1781 veranstaltete die bereits 1743 gegründete Konzertgesellschaft, aus der das Gewandhausorchester hervorging, im neu eingerichteten Konzertsaal des Gewandhauses das Eröffnungskonzert. 1884 konnte man als zweites Gewandhaus ein stattliches Konzertgebäude im Musikviertel weihen, das im 2. Weltkrieg stark beschädigt wurde. Nach fast vier Jahrzehnten an verschiedenen Interim-Spielstätten ist seit 1981 das dritte Gewandhaus am Augustusplatz die Heimstatt des Gewandhausorchesters und entfaltet als renommierter Veranstaltungsort internationale Strahlkraft.

Welche Komponist*innen arbeiteten hier?

Felix Mendelssohn Bartholdy prägte von 1835 bis 1847 als Musikdirektor eine Blütezeit des Gewandhauses, aber auch Robert und Clara Schumann veranstalteten im ersten Gewandhaus Konzerte, Mozart, Weber, Berlioz, Liszt und viele andere gastierten. Max Reger war als »Hauspianist« an etlichen Konzerten im zweiten Gewandhaus beteiligt, wo Anton Bruckner auf der Orgel spielte und Tschaikowski, Brahms, Strawinsky und Richard Strauss mit eigenen Werken auftraten – um nur wenige herauszugreifen. Die Frage, welche Komponisten in der Geschichte des Gewandhauses nicht vorkommen, wäre schneller beantwortet! Heute beruft das Gewandhaus regelmäßig »Gewandhauskomponisten«, deren Musik im Fokus steht und die neue Werke für das Orchester schreiben. Seit 2020 führt Sofia Gubaidulina diesen Titel.

Zu welcher Zeit?

Seit 240 Jahren in allen Gewandhäusern, seit genau 40 Jahren in unserem dritten Gewandhaus.

Welche Musik erklang hier am häufigsten / wurde hier uraufgeführt?

Etliche Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann gelangten im Gewandhaus zur Uraufführung, aber auch beispielsweise Schuberts Große C-Dur-Sinfonie, Wagners Meistersinger-Vorspiel, Brahms’ Violinkonzert und Deutsches Requiem, Regers Klavier- und Violinkonzert sowie in neuerer Zeit Musik von Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm und Jörg Widmann. Eine besondere Stellung nahmen früh die Werke Beethovens ein: Seine Sinfonien erklangen unmittelbar nach den Wiener Uraufführungen im Gewandhaus und wurden hier erstmals zyklisch dargeboten, Werke wie das Tripel- und das 5. Klavierkonzert erlebten im Gewandhaus ihre erste öffentliche Aufführung. Ähnlich lückenlose Aufführungstraditionen existieren im Bereich der Kammermusik, die maßgeblich vom 1809 gegründeten Gewandhaus-Quartett und weiteren Vereinigungen von Gewandhausmusikern getragen wird. Die Programmgestaltung am Gewandhaus wirkte im 19. Jahrhundert beispielgebend für das internationale Musikleben.

Besonderheiten des Hauses:

Schon das zweite Gewandhaus wurde zum Muster für andere Konzerthaus-Bauten. Der Große Saal des dritten Gewandhauses zählt nicht zuletzt dank seiner phänomenalen Akustik zu den besten Konzertsälen weltweit. Über dem Spieltisch der prächtigen Schuke-Orgel prangt der Orchester-Leitspruch: RES SEVERA VERUM GAUDIUM, der die Gewandhäuser seit dem 18. Jahrhundert ziert. Die Seneca-Sentenz lässt sich übersetzen mit »Wahre Freude ist eine ernste Sache«. Die Glasfassade zum Augustusplatz gibt den Blick auf Sighard Gilles gewaltiges Deckengemälde »Gesang vom Leben« frei; in den Foyers sind zahlreiche weitere Kunstwerke zu entdecken.

Wie wird das Haus heute mit Leben gefüllt?

Im Gewandhaus zu Leipzig ist eine große musikalische Vielfalt zu erleben. Das Gewandhausorchester präsentiert unter seinem aktuellen Kapellmeister Andris Nelsons, dem Ehrendirigenten Herbert Blomstedt und erlesenen Gastdirigenten ein breites Repertoire, das vom 18. bis ins 21. Jahrhundert reicht und in jeder Spielzeit unterschiedliche Schwerpunkte setzt. Das klassische Kernrepertoire – mit besonderer Pflege der Leipziger Romantik – wird regelmäßig ergänzt um Werk-Zyklen beispielsweise zu Bruckner und Brahms, Weinberg und Schostakowitsch, Strauss und Mahler. Besonderer Wert wird auf den Einsatz für neue Musik gelegt, wozu die Tradition als Uraufführungsstätte verpflichtet. Das Gewandhausorchester spielt außerdem in der Thomaskirche und in der Oper, unternimmt Tourneen in die ganze Welt und pflegt eine enge Partnerschaft mit dem Boston Symphony Orchestra. Entscheidende Beiträge zum aktuellen Konzertleben im Gewandhaus leisten die Gewandhaus-Chöre, Kammermusikensembles und der Gewandhausorganist. Ein umfassendes Musikvermittlungsprogramm richtet sich an unterschiedlichste Ziel- und Altersgruppen und trägt die Musik des Hauses in alle Teile der Stadt. Musikstudierende werden im Rahmen der Mendelssohn-Orchesterakademie gefördert. Eine besondere Bereicherung sind neben wöchentlichen Großen Concerten des Gewandhausorchesters und Reihen mit musica nova, Kammer-, Klavier-, Orgel-, Salon- und Vokalmusik die gemeinsamen Projekte mit Künstlern der freien Szene. Ferner laden Gastkonzerte verschiedener Genres, Mietveranstaltungen, Festivals, Führungen und vieles mehr ins Gewandhaus ein.

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