Thomaskirche

“Bei einer andächtigen Musik ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.”

Handschriftliche Notiz in der Bibel von Johann Sebastian Bach

Seit wann existiert das Haus?

Durch üppigen Wohlstand in der Stadt Leipzig gegen Ende des 15. Jahrhunderts war es möglich, die Leipziger Kirchen neu zu bauen oder zumindest zu erweitern. So wurde im Jahr 1482 das alte Kirchenschiff abgerissen und in der größtenteils bis heute bestehenden Gestalt neu errichtet. In der Folge wurde die Kirche am 10. April 1496 erneut geweiht. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr sie einige An- und Umbauten. Die äußere Gestalt der Kirche ist vor allem von Renovierungen des 19. Jahrhunderts geprägt. Nachdem die Kirche 1869 vom Besitz des Rates in die Selbstverwaltung der Kirchengemeinde überlassen worden war, fanden rund 30 Jahre lang historisierende Umbauten an der Außenfassade statt.

Welcher Komponist arbeitete hier?

Johann Sebastian Bach war wohl der berühmteste aller Thomaskantoren. Am 30. Mai 1723 erklang die Antrittskantate Johann Sebastian Bachs, allerdings in der Nikolaikirche. Zwei Tage später, am 1. Juni 1723 wurde er in das Amt des Thomaskantors eingeführt, das er bis zu seinem Tode 1750 ausübte. In diesen 27 Jahren spielte er vor allem Orgel, aber musizierte auch viel mit dem Thomanerchor. Für die sonntäglichen Gottesdienste komponierte der Thomaskantor jede Woche eine neue Kantate. Bach war in seiner Leipziger Zeit gleichermaßen für die Nikolai- und die Thomaskirche zuständig.

Was komponierte er hier?

Viele Werke Johann Sebastian Bachs sind in dieser Stadt entstanden, bearbeitet, neu-, erst- und uraufgeführt worden. Beispielsweise komponierte er in der Leipziger Zeit zwei seiner größten Werke überhaupt, die Matthäus- und die Johannespassion. Im Jahr 1729 fand die Uraufführung der Matthäuspassion in St. Thomae statt. Hinzu kommen eine Vielzahl an Motetten und die Fülle der Kirchenkantaten, die in den sonntäglichen Gottesdiensten der beiden Hauptkirchen St. Nikolai und St. Thomae erklangen.

Wer zählte zu den häufigen Gäst*innen / Freund*innen?

Wahrscheinlich war der Textdichter vieler seiner Vokalwerke, Christian Friedrich Henrici alias Picander einer der häufigsten Besucher in der Thomaskirche. Aber generell war bei den Bachs immer etwas los: Neben der großen Familie gingen hier die Schüler Bachs und andere Musiker ein und aus.

Besondere Ereignisse, Anekdoten / Besonderheit des Hauses?

Johann Sebastian Bach wurde nach seinem Tod am 28. Juli 1750 auf dem Spitalfriedhof der Johanniskirche bestattet. In Folge der Bombardierung Leipzigs am 4. Dezember 1943 brannte diese jedoch aus. Der Sarg mit den mutmaßlichen Gebeinen Bachs blieb unversehrt und wurde am 19. Februar 1949 geborgen. Nach Diskussionen über Ort und Gestaltung einer neuen Grabstätte entschloss man sich, Bach im Chorraum der Thomaskirche beizusetzen. Am 28. Juli 1949 wurden die Gebeine in die Thomaskirche überführt. Von einigen modernen Musikwissenschaftlern wird die Identität der Knochen allerdings in Zweifel gezogen und ein DNA-Vergleich mit den zweifelsfrei erhaltenen Knochen seines Sohns Carl Philipp Emanuel gefordert; dieser ist bislang nicht erfolgt. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt der Turm der Thomaskirche seine heutige Gestalt. Der achteckige, 60 Meter hohe Aufbau des Turms stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert. Im Inneren des Turmes hängen vier Glocken, darunter die älteste Glocke “Gloriosa” aus dem Jahr 1477. Bevor der Besucher vom Turmbalkon das steile Dach und die Leipziger Innenstadt von oben sieht, durchquert er noch die sich über 3 Etagen erstreckende Türmerwohnung mit hübschen Bettnischen und historischem Plumpsklo. Von 1533 bis 1917 wohnte hier ein Schutzwart, der die Stundenglocke bediente und Alarm schlug, wenn es in der Stadt brannte.

Wie wird das Haus heute mit Leben gefüllt?

Die wöchentlichen Motetten am Freitag und Samstag sind eine feste musikalische Institution. 1992 begann Georg Christoph Biller, in den Samstagsmotetten den gesamten erhaltenen Bach-Kantatenzyklus in chronologischer Reihenfolge und in Zuordnung zum entsprechenden Sonntag des Kirchenjahres durch den Thomanerchor Leipzig und das Gewandhausorchester Leipzig aufzuführen. Die regelmäßigen Aufführungen der Bach‘schen Passionen und des Weihnachtsoratoriums durch den Thomanerchor und das Gewandhausorchester ziehen neben den Motetten tausende Besucher in die Thomaskirche.

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